Cross Sourcing ist eine kreative Erweiterung des Active Sourcings im Recruiting- bzw. Personalgewinnungsprozess. Dabei nutzen Sie als Recruiter fachspezifische Plattformen wie GitHub oder Stack Overflow gezielt, um Talente außerhalb der klassischen Jobportale zu identifizieren. Im Gegensatz zum herkömmlichen Active Sourcing greifen Sie dabei auf Quellen zurück, die üblicherweise nicht primär zur Personalsuche verwendet werden, aber detaillierte Informationen zu den fachlichen Kompetenzen der Kandidaten bieten.

Vorteile von Cross Sourcing

Cross Sourcing bietet Ihnen eine Reihe von Vorteilen, die besonders in spezialisierten Bereichen von großem Nutzen sind. Hier sind einige der wesentlichen Vorteile, die diese Methode für Ihr Recruiting bereithält:

  1. Cross Sourcing ermöglicht es Ihnen, gezielt nach hochqualifizierten Kandidaten zu suchen, die in Ihrer Branche oder Ihrem Fachgebiet besonders aktiv sind. So erreichen Sie Talente, die nicht aktiv auf Jobsuche sind, aber dennoch die perfekten Fähigkeiten für Ihre Position mitbringen. Durch die Nutzung spezialisierter Plattformen können Sie Kandidaten finden, deren fachliche Expertise und Projekterfahrung genau den Anforderungen Ihrer offenen Stellen entsprechen. Dies führt zu einer gezielteren und effizienteren Ansprache, da Sie sich auf gut dokumentierte Fachkenntnisse stützen können.
  2. Ein weiterer Vorteil ist, dass Sie überfüllte Jobbörsen umgehen können. Stattdessen konzentrieren Sie sich auf Plattformen, die Ihnen direkten Zugang zu relevanten Talenten bieten. Dies spart Ihnen Zeit und Aufwand und erhöht gleichzeitig die Qualität der Bewerber. Cross Sourcing fördert zudem eine authentische und personalisierte Ansprache, die bei Kandidaten oft besser ankommt, da sie das Gefühl haben, dass ihr individuelles Fachwissen geschätzt wird.

Zielgruppe des Cross Sourcings

Soweit, so gut. Doch ist Cross Sourcing wirklich für jede Position in Ihrer Organisation geeignet? Die klare Antwort lautet: Nein!

Cross Sourcing ist besonders wirkungsvoll für hochspezialisierte oder schwer zu besetzende Positionen, vor allem in Fachbereichen wie IT, Technik und Forschung, in denen spezifische Fähigkeiten und tiefes Know-how gefragt sind. Für allgemeinere Positionen oder Rollen mit weniger spezifischen Anforderungen, wie z. B. administrative Aufgaben oder klassische Managementrollen, ist Cross Sourcing hingegen meist weniger geeignet. In diesen Fällen finden Sie geeignete Bewerber oft besser über traditionelle Kanäle wie Jobbörsen, Karriereplattformen oder soziale Netzwerke wie LinkedIn oder Facebook. Hier spielt die Nutzung fachspezifischer Plattformen eine weniger zentrale Rolle, da diese keine zusätzlichen Informationen zur Eignung der Kandidat liefern würden.

Plattformen für gezieltes Cross Sourcing

Damit Cross Sourcing erfolgreich ist, sollten Sie als Recruiter Plattformen auswählen, auf denen sich Ihre Zielgruppe aktiv aufhält und ihre Fachkenntnisse zeigt. Für IT- und Tech-Positionen bieten sich vor allem GitHub und Stack Overflow an, da Entwickler und IT-Spezialisten hier ihre Projekte, Programmierkenntnisse und Problemlösungsfähigkeiten präsentieren. Im Design-Bereich sind Portfolios auf Plattformen wie Behance oder Dribbble wertvolle Quellen, um kreative Talente und deren Stil kennenzulernen. In der wissenschaftlichen Forschung könnte ResearchGate hilfreich sein, da Forschende hier ihre Arbeiten und Publikationen teilen.

Folgend erläutern wir zwei kurze Anwendungsbeispiel, sodass sie sich über die jeweilige Plattform und deren Einsatz ein besseres Bild verschaffen können.

  • Entwicklungsmitarbeiter auf GitHub

Angenommen, Sie suchen als Recruiter für Ihre Organisation einen Entwicklungsmitarbeiter mit Erfahrung im Bereich Frontend-Entwicklung, insbesondere mit React und JavaScript. Anstatt auf herkömmlichen Jobportalen zu suchen, können Sie GitHub nutzen, um gezielt nach Projekten zu filtern, die in React geschrieben sind.

Auf GitHub stoßen Sie beispielsweise auf das Profil von einer Softwareentwicklerin, die regelmäßig eigene Open-Source-Projekte veröffentlicht, an React-basierten Projekten mitarbeitet und eine hohe Anzahl an „Stars“ und „Forks“ auf ihren Repositories hat – ein Zeichen dafür, dass ihre Arbeit in der Entwickler-Community geschätzt wird. Sie sehen außerdem, dass der jeweilige Softwareentwickler in seinen Projekten moderne Frontend-Technologien und Best Practices anwendet, die für Ihre Stelle relevant sind.

Da GitHub selbst keine Direktnachrichten unterstützt, recherchieren Sie den Namen des ausgewählten Softwareentwicklers auf LinkedIn und finden sein Profil. In der Nachricht  gehen Sie gezielt auf sein jüngstes React-Projekt ein, das sie auf GitHub veröffentlicht hat und heben hervor, wie gut seine technische Erfahrung zu der ausgeschriebenen Rolle passt. Durch die persönliche Ansprache und das spezifische Interesse an ihrer Arbeit haben Sie eine größere Chance, Annas Interesse an der Position in Ihrer Organisation zu wecken, selbst wenn sie aktuell nicht aktiv auf Jobsuche ist.

  • Grafikdesigner via Dribble

Sie sind auf der Suche nach einem Grafikdesigner mit speziellem Know-how im Branding und Webdesign für eine Marketingagentur. Anstatt ausschließlich auf klassischen Jobportalen zu suchen, entscheiden Sie sich, kreative Portfolios auf Dribbble durchzusehen, eine Plattform, auf denen Designer ihre Arbeiten präsentieren.

Hier entdecken Sie zum Beispiel das Portfolio von einem Kandidaten, der bereits zahlreiche Branding-Projekte für bekannte Marken umgesetzt hat. In seinem Projekt zeigt er ein ausgezeichnetes Gespür für moderne Farbpaletten und Typografie und ihr Portfolio enthält mehrere Website-Designs, die zu den Stilvorstellungen Ihres Unternehmens passen.

Dribble bietet eine Kontaktoption, aber um eine gezieltere und persönliche Ansprache zu formulieren, recherchieren Sie den ausgewählten Kandidaten auf LinkedIn. In Ihrer Nachricht erwähnen Sie ein spezifisches Projekt des Kandidaten und was Ihnen daran besonders gefallen hat. Durch diese maßgeschneiderte und wertschätzende Nachricht wecken Sie das Interesse des Kandidaten und bieten ihm die Möglichkeit, mehr über die Projekte Ihrer Agentur zu erfahren – eine ideale Ausgangslage für ein offenes Gespräch über Ihre freie Position.

Die Vorgehensweise beim Cross Sourcing

Um Ihnen den Einstieg ins Cross Sourcing zu erleichtern, haben wir einen idealtypischen Ablaufplan zusammengestellt, der Ihnen als Leitfaden dienen kann. Selbstverständlich lässt sich dieser Prozess je nach Bedarf flexibel anpassen und individuell gestalten.

 

  1. Plattformauswahl: Wählen Sie eine Plattform, die für Ihre Zielgruppe und Branche besonders relevant ist. Im technischen Bereich sind Plattformen wie GitHub und Stack Overflow ideal, um sich über die Kompetenzen potenzieller Kandidat zu informieren.
  2. Profilanalyse: Recherchieren Sie gezielt nach Profilen, deren Projekterfahrung und technische Kenntnisse (wie Programmiersprachen oder Frameworks) zu Ihren Anforderungen passen. So können Sie die besten Kandidaten für Ihre offenen Positionen auswählen.
  3. Kontaktaufnahme: Da Plattformen wie GitHub keine direkte Kontaktaufnahme ermöglichen, suchen Sie die Kandidaten anschließend z. B. auf LinkedIn, um sie dort anzuschreiben.
  4. Personalisierte Ansprache: Sprechen Sie die Personen direkt an und beziehen Sie sich in Ihrer Nachricht auf deren GitHub-Projekte oder fachliche Beiträge. Dies zeigt Ihr Interesse und wirkt authentisch.
  5. Gesprächsaufbau: Nutzen Sie das Gespräch als Gelegenheit, um den Kandidat Ihre Position und Entwicklungsmöglichkeiten vorzustellen und mehr über deren Fachinteressen zu erfahren.

Herausforderungen und Empfehlungen

Cross Sourcing setzt voraus, dass Sie sich mit den Anforderungen der Position und der jeweiligen Fachsprache gut auskennen, da die Nutzung fachspezifischer Plattformen eine gewisse Erfahrung erfordert. Eine gründliche Vorbereitung und ein starkes Verständnis für die technische Seite der Rolle helfen Ihnen dabei, im Gespräch mit Kandidaten authentisch und fundiert aufzutreten.